REZENSIONEN

pfeil SYLVIA WENIG-KARASCH:
Oles kleines Eierbuch
   
pfeil ULRIKE LINNENBRINK:
Herbstliebe
   
pfeil ROBERT POWELL:
Christus und der Mayakalender
   
pfeil ERWIN SCHMIEDEL:
Parzivals zweite Chance
   
pfeil

LUTZ KREUTZER:
Gott würfelt doch

   
pfeil

FRITZ FREY:
Europa zwischen Ost und West

   
pfeil

FRITZ FREY:
Die Informationslücke. Ist die Selbstbestimmung des Menschen eine Illusion?

   


  SYLVIA WENIG-KARASCH: Oles kleines Eierbuch
Oles kleines Eierbuch
Konrad W. Sprai
Konrad W. Sprai, Berlin
Psychologe und Gesellschaftsforscher

pfeilhoch  
REZENSIONEN zu: ULRIKE LINNENBRINK: Herbstliebe
Herbstliebe

Herbstliebe - ungeschminkt und unverschnörkelt beschreibt die Autorin Ulrike Linnenbrink in diesem Roman eine ganz besondere Lebensphase ihrer Protagonistin, einer Lehrerin mittleren Alters, die nach zwei gescheiterten, kinderlosen Ehen noch einmal die Liebe neu entdecken darf: Die Liebe zu einem deutlich jüngeren Mann, die ihr unter anderem auch das gibt, wonach sie sich ihr ganzes bisheriges Erwachsenenleben lang unbewusst gesehnt hat: sexuelle Erfüllung zu finden.  

Anfänglich eher oberflächlich und locker-burschikos, dann mehr und mehr zögerlich aufgrund herkömmlicher Konventionen, letztlich aber mit vollem Herzen und jeder Faser ihres Körpers lässt sich Hauptfigur Carla auf ein in jeder Beziehung außergewöhnliches und turbulentes Miteinander mit dem alternativ auf einem Bauerhof lebenden Paul ein. Genießt – auch eingebettet in langjährige Freundschaften zu Kolleginnen und in familiäre Bande – ein von gegenseitigem Begehren, aber auch Fürsorglichkeit geprägtes neues Leben, gleichwohl ihre daraus resultierenden eigenen inneren und äußeren Veränderungen, sowie ihre weitere partielle Unabhängigkeit.

Sie kann sich emotional fallen lassen, ohne sich jedoch zu verlieren. Nicht vollständig zumindest – denn nach einer durch vermeintlichen Vertrauensbruch einerseits und den nahezu gleichzeitigen Tod ihrer geliebten Hündin ausgelösten dramatischen Krise findet sie relativ rasch wieder zu sich selbst. 

All das erzählt Ulrike Linnenbrink in einer Weise, die permanente unterschwellige Spannung erzeugt, aber auch – gewollt oder ungewollt – an persönliche Emotionen der Leserin, des Lesers anklopft, unterschwellige Gefühle berührt und ans Tageslicht bringt und somit zum Nachforschen im eigenen Erleben animiert.

Inwieweit Herbstliebe autobiografisch ausgerichtet ist, weiß nur die Autorin Ulrike Linnenbrink selbst – fest steht aber, dass sie exakt weiß, wovon sie schreibt, was dafür spricht, dass ihr die Thematik nicht nur aus der Theorie bekannt ist.

Es ist beileibe kein so genanntes „Kunst“-Buch, das Buch Herbstliebe, keine vorrangig auf besondere Effekte ausgerichtete Erzählung, die sich bei genauerer Betrachtung in Oberflächlichkeiten verliert. Herbstliebe gibt vielmehr klar und schlüssig ein Stück gelebter Realität wieder, das sich auf die eine oder andere Art und natürlich mit Abweichungen problemlos in das Leben eines jeden Menschen integrieren ließe. Was zu dem zustimmenden Schluss kommen lässt: „Ach ja, genau so ist das, so fühlt sich das an …!“

Herbstliebe – mit diesem ihrem neusten Titel hat die Bestsellerautorin Ulrike Linnenbrink einmal mehr bewiesen: Wo Ulrike Linnenbrink drauf steht, ist auch Ulrike Linnenbrink drin. Absolut lesenswert!

Sylvia Wenig-Karasch - Hamburg, 19. Mai 2010

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Wenn ein Mann alles auf den Kopf stellt

Carla steht mit beiden Beinen fest im Leben. Und zwar so fest, dass sie nicht das geringste Verständnis für ihre Freundin Iris aufbringen kann, als diese versucht, sich das Leben zu nehmen, nachdem ihr Freund sie verlassen hat. Carla hingegen hat ihren zwei Ehemännern den Laufpass gegeben und lebt glücklich mit Hündin Shira im eigenen Haus. Und dann taucht der sechzehn Jahre jüngere Paul auf und bringt alles durcheinander.

Carla verliebt sich in ihn - und wird verletzlich. Plötzlich ist ihr, die doch nie Wert auf die Meinung anderer gelegt hat, nicht mehr egal, was andere über den Altersunterschied zwischen ihr und Paul denken. Carla legt sich so richtig ins Zeug, macht Sport, nimmt ab und wittert in jeder jüngeren Frau eine Konkurrentin. Doch Paul hat ganz andere Sorgen. Und für die ist Carla in ihrer – grundlosen – Eifersucht blind und interpretiert Pauls Verhalten vollkommen falsch.

In ihrem bekannt brillanten, mitreißenden Stil erzählt Ulrike Linnenbrink mit vielen überraschenden und originellen Wendungen Carlas Geschichte. Rasch wird die Protagonistin mit allen ihren Ecken und Kanten, aber auch vielen liebenswürdigen Seiten beim Lesen zu einer guten Freundin, von der man gerne die Telefonnummer hätte, um ausgiebig mit ihr plauschen zu können – aber auch, um ihr hin und wieder den Kopf zurechtzurücken.

Insa Segebade - Jegum, 19. März 2010

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pfeil "Alt" und "Jung" sind Kategorien, die von den meisten Menschen des westlichen Kulturkreises in gleicher Weise interpretiert werden. Bei Wärme- oder Kältegraden sprechen wir hingegen längst differenziert von "gefühlter" Temperatur. Mit Gefühl und Differenzierung hat auch der neue Roman von Ulrike Linnenbrink zu tun.

Die Protagonistin im neuen Buch von Ulrike Linnenbrink, Carla Berger, wird von ihren Gefühlen überfallen, heftig und unerwartet. Sie erlebt, ungläubig zunächst, wie dieser Überfall ihr wohlgeordnetes Lehrerinnen-Leben in Un-Ordnung bringt.

Gibt es denn in ihrer festgefügten Umwelt Platz für ein unwägbar Neues mit dem Potenzial, den zurechtgelegten Lebensplan über den Haufen zu werfen?, so fragt sie sich. Und woher sollte gerade sie den Mut nehmen, gesellschaftlich sanktionierte Muster zu durchbrechen? Dies nach zwei Scheidungen und bei einer Freundin, deren Herzschmerz-Geschichten bereits bedrohliche Folgen angenommen hatten.

Carla wagt den Sprung ins Ungewisse und beschließt, ihrer Liebe zu einem 16 Jahre jüngeren Mann eine Chance zu geben. Die Hündin Shira, lange die einzige Adressatin von Streicheleinheiten, hatte Carlas Bedenken ohnehin von Anfang an schwanzwedelnd ignoriert.

Neues Leben zieht im Hause Berger ein und entrümpelt alles, was bis anhin unumstößlich schien. Die sich nun entwickelnde stürmisch-zarte Idylle wird alsbald von plötzlich auftretenden Ungereimtheiten gestört. Geoffenbartes steht schmerzhaft in Frage. Für Carla beginnt eine Zeit der Unsicherheit und des Selbstzweifels. Um sich Gewissheit zu verschaffen, begibt sie sich auf einen Weg, der Verstellung und Täuschung notwendig macht. Sie riskiert dabei ihre neugeschenkte Lebenskraft, und sie tut es um den Preis von Wahrhaftigkeit. Ihr Handeln ist dabei ebenso radikal wie die Liebe selbst.

Wen Verliebtheit überfällt und wer sich der Liebe öffnet, kommt in Kontakt mit tieferen Seins- Schichten. Wesentliches wird sichtbar, spürbar, fühlbar. "Jung" und "Alt" sind keine maßgebenden Konstanten mehr.

"Herbstliebe" begleitet einen tagelang. Der Text besticht durch die Fähigkeit der Autorin, menschliches Verhalten präzise zu beobachten und weist Wege aus eigenen täglichen Selbstbegrenzungen.
Das Buch verdient eine weite Verbreitung! Lesevergnügen und unvorhersehbare Aha-Erlebnisse sind unausweichlich.

heja - Basel, 5. März 2010

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pfeil Herbstliebe erzählt die Geschichte von Carla, die eines Tages nicht mehr nachvollziehen kann, wie sie zu der Person geworden ist, die ihr aus dem Spiegel entgegenblickt. Im Laufe der Zeit hat sie gewisse Wünsche, Werte und Facetten ihrer Persönlichkeit tief in sich begraben. Als sie sich in einen jüngeren Mann verliebt, der sie anspornt aus ihrem Panzer auszubrechen, wagt sie sich Schritt für Schritt zu ihrem eigentlichen Ich zurück. Doch das Zulassen von Gefühlen bringt auch Schmerz und Unsicherheit mit sich. So kommt es, dass Carla zuerst schwerwiegende Entscheidungen trifft, bevor sie endlich nach ihren Vorstellungen leben kann.

Ulrike Linnenbrink präsentiert in ihrem Roman komplexe, lebensnahe Charaktere; allen voran Carla, die in ihrer Entwicklung so greifbar wird, dass sie einen noch lange nach der Lektüre beschäftigt. Herbstliebe verdeutlicht gekonnt die Schwierigkeit,  vorgefertigte Meinungen und auferlegte Konventionen zu überwinden, wieviel Mut es dazu braucht, und schließlich, wie schön es sein kann, die eigenen Grenzen zu überwinden und Ja zu sagen zum Leben ... und zu der Liebe.

Loredana-N. Fernandez - Schmiedrued, 10. Februar 2010

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pfeil Wem ist es schon gelungen, sich gegen die Liebe zu wehren? Liebe ist mächtiger als alle Lebensvorsicht und lässt Vorurteile wegen des Altersunterschiedes in den Hintergrund treten.

Eine Frau trifft einen Mann und verliebt sich in ihn. Eigentlich nichts Besonderes, denn es ist das ewig neue Spiel zwischen den Geschlechtern – schon seit alters her. In diesem Fall jedoch gibt es ein Problem, denn Paul ist 16 Jahre jünger als Carla, und auch wenn es heute immer "normaler" wird, dass eine ältere Frau sich mit einem jüngeren Mann zusammentut, ist es doch immer noch nicht so weit verbreitet und gesellschaftlich anerkannt wie im umgekehrten Fall. Ist Herz und Verstand aber einmal frei geworden für eine solche Beziehung, zählen diese Tatsachen nur noch am Rande. So auch bei diesem Liebespaar.

Carla gibt also Pauls charmantem Werben nach. Na endlich! mag man als moderne und aufgeklärte Leserin denken. Der Himmel hängt plötzlich voller Geigen, dort, wo es zuvor nur Brummbässe gab. Doch er ist nicht ohne Wolken. Immer wieder fallen Schatten auf Pauls Gemüt. Er erscheint zuweilen nachdenklich und abwesend. Er verschweigt etwas. Was mag dies nur sein?
Durch Neugierde und innere Seelennot getrieben, beginnt Carla nachzuforschen und kommt einem tragischen Ereignis auf die Spur, das in Pauls Leben noch immer nachhallt und die neu gefundene Liebe vor eine schwere Prüfung stellt.

Die Geschichte zeigt den Weg durch immer noch vorhandene gesellschaftliche Vorurteile gegenüber wirklich individueller Lebensgestaltung. Auf spannende, ja meisterhafte Weise erzählt der Roman von diesem Zwiespalt und dem Ringen um die Unabhängigkeit einer Frau, die sich im Leben bewährt hat, die aber mehr und mehr auch ein Anrecht auf die innere Freiheit in ihrer persönlichen Entwicklung geltend macht. Dass dieser spannende Weg nicht reibungslos vor sich geht, liegt in der Natur des Lebens.

Das Buch erscheint in einem leserfreundlichen Format und in angenehmer Gestaltung, schon die Coverabbildung weist den neugierigen Leser von "Herbstliebe" darauf hin, dass sich gegebenenfalls auf den Kopf stellen muss, wer dem Leben die Wendung geben will, die als die richtige empfunden wird.

©s.b. - Basel, d. 17. Februar 2010

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REZENSIONEN zu: ROBERT POWELL: Christus und der Mayakalender
Christus und der Mayakalender

Es gab bisher eine Fülle von Bemühungen, den Mayakalender und das Geheimnis von „2012“ zu entschlüsseln.
Der Autor nähert sich der Bedeutung des Jahres 2012, indem er sowohl historische wie auch zeitgenössische kulturelle Ereignisse geistig durchdringt. Durch Einbeziehung der Offenbarung des Johannes und Rudolf Steiners Hinweise im Zusammenhang mit der Apokalypse entsteht ein neuer Kontext für ein klareres Verständnis des Enddatums des Mayakalenders. Das Buch „Christus und der Mayakalender“ erkundet auch die Bedeutung der alten mexikanischen Mysterien und hilft dem Leser das apokalyptische Szenarium zu durchschauen, das heute am Horizont sichtbar wird. Der Autor bespricht die Art und Weise der Wiederkunft Christi als Ereignis, das notwendig den Schatten der Inkarnation von Satan/Ahriman werfen muss. Er sieht in der Erkenntnis der göttlichen Sophia das Heilmittel zur Inkarnation Ahrimans.

Wer strebt nicht danach die oft scheinbar unverständlichen Zeiterscheinungen zu verstehen? Durch die Vertiefung in dieses Buch können dem Leser Zusammenhänge erhellt werden, die bisher im Dunkeln lagen.

Dr. Robert Powell ist Phänomenologe durch und durch. Als Astronom ist er durch seine Doktorarbeit „Die Geschichte des Tierkreises“, die ebenfalls als Buch erhältlich ist, bekanntgeworden. Durch die Kunst der Eurythmie lässt er die Zusammenhänge der Kräfte des Kosmos bis in die menschliche Bewegung und Empfindung bewusstwerden.

Aber ebenso wie er es versteht, den Blick zu den Phänomenen des Himmels zu wenden, richtet er ihn auf die historischen Phänomene der Erde. Dadurch gelingt es ihm, kosmisch-irdische Rhythmen in der Entwicklung der Menschheit zu erforschen, die befruchtend oder zerstörerisch in die Kultur der Menschheit eingreifen. Auf der Grundlage der Werke von R. Steiner stellt er dar, wie der Mensch durch die Erfahrung des Denkwillens zu den neuen Bewusstseinsdimensionen von Imagination, Inspiration und Intuition vorstoßen kann und auf diese Weise einen immer intensiveren Zusammenhang mit den die Menschheit in fruchtbarer Weise begleitenden Geistwesen finden kann.

Er scheut nicht davor zurück, auch Menschen, die durch ihre Erdenschicksale sehend geworden sind, als Zeugen vergangener und Seher künftiger Zeiten als Phänomene zu betrachten, über deren Aussagen es sich nachzudenken lohnt. In diesem Zusammenhang sind Katharina von Emmerich, die amerikanische Hellseherin Jeane Dixon, die Russen Wladimir Solowjow, Valentin Tomberg und Daniil Andrejew oder die seit Ostern 2004 stigmatisierte Berlinerin Judith von Halle zu erwähnen. Es gelingt Robert Powell die Aussagen dieser Menschen in einer undogmatischen Art und Weise zu betrachten und ihnen im Kontext des Buches sowie im Zusammenhang mit der gesamten Erdenentwicklung den ihnen gebührenden Platz als Zeugen des Geistes zu geben.

So zeigt er auch auf, wie dem wiedererwachenden Bewusstsein von geistigen Wirklichkeiten und deren Einfluss auf die geschichtliche Entwicklung der Menschheit der unser Bewusstsein verdunkelnde Materialismus gegenübersteht, dessen Vertreter und Einflüsterer eine in festgelegten Abläufen kontrollierbare Menschheit vorschwebt, die durch die Massenmedien suggestiv beeinflusst werden kann. Dass dabei die Menschen die Wiedererscheinung des Christus in der die Materie gestaltenden Äthersphäre verpassen könnten, wäre das größte Unglück, da dann der in einer irdischen Persönlichkeit erscheinende Antichrist/ Ahriman ein leichtes Spiel damit hätte, das Bewusstsein der Menschen zu verführen. Seine Forschungen verweisen in überzeugender Manier auf den Mayakalender, der mittels der Sternenkonstellationen über Jahrhunderte zur Orientierung der mittelamerikanischen Kulturen diente. Dieser Kalender bricht mit dem Jahre 2012 ab. Warum das so ist, hat mit der dargestellten Entwicklung von Welt und Mensch zu tun, ist aber vorerst ein Rätsel. Dr. Powell nähert sich diesem Rätsel durch seine geisteswissenschaftlichen und kosmologischen Erkenntnisse und lässt den Leser dessen Lösung in freier Weise erahnen.

Moderne Geisterkenntnis, die es ermöglicht, auch den Christus im Ätherischen zu erkennen und die Wirkensweise Ahrimans zu durchschauen ist durch das Heilmittel der göttlichen Sophia gegeben, der Weisheit des Himmels, die zur Weisheit der Menschen werden muss, wenn die Zukunft auf Erden eine menschliche sein soll.
In diesem Sinne liefert Dr. Robert Powell reiche Grundlagen, die zur inneren Arbeit der persönlichen Bewusstseinsentwicklung anregen und zur Gewissheit der stetigen Hilfe der geistigen Welt führen, wenn diese vom Menschen in wacher Bewusstseinsarbeit gesucht wird.
So schließt das Buch mit einer tiefen Meditation, durch die sich der Mensch mit Christus verbinden kann und dadurch Mut und Kraft in sich findet, den gewaltigen Herausforderungen unserer Zeit gewachsen zu sein.   

3. Juli 2009
sb/tz


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Buchbesprechung

Robert Powell
„Christus und der Maya-Kalender“
 2012 und das Erscheinen des Antichrist

Das jüngst in deutscher Sprache erschienene Buch des Mathematikers, Heileurythmisten und Astrologen Robert Powell stellt in gewisser Hinsicht ein Novum dar. Zum einen behandelt es das von anthroposophischer Seite bisher nicht oder nur knapp aufgegriffene Thema über das Ende des Maya-Kalenders am 21. Dezember 2012. Zum Anderen bringt es dieses Datum, genauer gesagt, ein dieses Datum umspannendes „Zeitfenster“ -  um den Worten des Autors zu folgen -  in Verbindung mit dem in anthroposophischen Kreisen hingegen bekannten, von Rudolf Steiner angekündigten Ereignis der Inkarnation Ahrimans: „Und ebenso wie es gegeben hat eine fleischliche Inkarnation Luzifers, wie es gegeben hat eine fleischliche Inkarnation des Christus, so wird es, ehe auch nur ein Teil des dritten Jahrtausends der nachchristlichen Zeit abgelaufen sein wird, eben im Westen eine wirkliche Inkarnation Ahrimans: Ahriman im Fleische."(1)

Die Grundlage für Powells Ausarbeitungen ist vor allen Dingen sein astrologischer bzw. „astrosophischer“ Forschungsansatz. Dieser wurde von Willi Sucher, einem Schüler Steiners, anfänglich erarbeitet und von Powell in verschiedene Richtungen hin ausgestaltet. Eine Erkenntnis, die daraus hervorging, ist diejenige des sog. „Apokalypse-Codes“, den Powell bereits u.a. in seinem großen Werk „Chronik des lebendigen Christus“ sowie „Das größte Geheimnis unseres Zeitalters: Gedanken zur Wiederkunft des Christus“ formulierte, bisher jedoch unter anderem Fokus verwendete.

Der Apokalypse-Code bringt zum Ausdruck, dass die 3½ Jahre des irdischen Christus-Lebens der Keim waren für die Entfaltung eines Lebens, dessen Inhalt nun von der gesamten Menschheit erlebt wird „bis zum Ende der Erdenzeit“. Es handelt sich um eine Art kosmischen Gleichklang, wobei jeder Tag im Leben des Jesus Christus zwischen der Taufe im Jordan bis hin zur Auferstehung jeweils einem Saturnzyklus von 29 ½ Jahren entspricht. Man hat sich nun vorzustellen, dass sich jeder einzelne Tag des Lebens Christi in Form von knapp 30 Jahren entrollt, beginnend seit dem Auferstehungstage am 5. April 33. So gelangt man mit dem letzten Tage des Christus-Lebens adäquat bis ins Jahr 38.000 – gemäß Steiners Ausführungen zur Apokalypse des Johannes ist es zugleich das Ende des sog. „Posaunen-Zeitalters“, mit welchem in gewissem Sinne ein Abschluss unserer physischen-mineralischen Erdenentwicklung erreicht wird.
Was anfänglich abstrakt erscheinen mag, wird durch Powells anschließende Ausführungen in verblüffender Weise deutlich. So steht beispielsweise der Beginn der  40 Tage währenden Versuchungszeit Christi in der Wüste in Beziehung zum Jahre 869, in welchem das achte ökumenische Konzil in Istanbul, ehemals Konstantinopel, stattfand.  Seit dem Jahr 1988 und noch bis 2018 andauernd  befinden wir uns nun in einer Situation, die dem vorletzten Prüfungstage Christi in der Wüste entspricht, in welcher Ahriman mit der Aufforderung an Christus herantrat, aus Steinen Brot zu machen.  Hier verweist Powell darauf, wie sich gegenwärtig unter ahrimanisch-treibenden Kräften neben anderen Phänomenen zunehmend eine künstliche Computerwelt entwickelt, die genau diesen Anspruch hat: den Schein des Lebens zu erwecken.

Um das gegenwärtige Wirken Ahrimans mit dem Bestreben, sich zu verkörpern, weiter aufzudecken, eröffnet Powell in den ersten drei der insgesamt sechs Kapitel des Buches verschiedene Fragestellungen, die thematisch verbunden werden. Ein ganzes Kapitel lang wird der Versuch unternommen, die Einteilung der Jugas, wie sie den Hindus bekannt sind - unter Berücksichtigung u.a. von Sri Yukteshwars (dem Lehrer Paramahansa Yoganandas) oder H.P.Blavatskys Lehre  – mit Rudolf Steiners Ansicht, insbesondere den Ausklang des Kali Jugas im Jahre 1899 betreffend, in Deckung zu bringen, als auch eine Beziehung zum Ende des oben angesprochenen Maya-Kalenders herzustellen. Letzterer ist der dritte von drei existierenden Maya-Kalendern, welcher den jüngsten Zeitenzyklus anzeigt, der nun nach 5125 Jahren mit besagtem Datum endet. 

Leider erfährt der Leser kaum etwas über die Hintergründe dieses Kalenders, mehr Informationen über die rein äußere Geschichte der Maya-Kultur wären ebenfalls wünschenswert. So ist es bedauerlich, dass diese ein wenig zu vermissenden Inhalte nicht in die deutsche Ausgabe des Buches mit aufgenommen wurden. Kevin Dann, Dozent für Geschichte an der State University in New York hat seine Arbeit, die u.a. diesen Bereich behandelt, der amerikanischen Ausgabe des Buches vorangestellt, welche dort Powells Ausführungen als gelungenem Einstieg dient.

Im folgenden Kapitel werden hingegen gründliche, außerordentlich anregende Betrachtungen über die Identität und das Wirkensfeld der Sorath-Wesenheit angestellt. Das mit dem Sonnendämon verbundene irdische Eingreifen im Rhythmus von 666 Jahren wird erstaunlicherweise auch rückwärtig bis in vorchristliche Zeiten verfolgt, wobei man geschichtlich z.B. im Jahr 1332 (2x666) vor Christus auf den Tod Echnatons stößt, dessen Aton-Kult eine gewisse Entfremdung gegenüber der bis dato bestehenden Osiris-Verehrung brachte – mit weitreichenden Folgen.

Auch die im 3. Jahrtausend v.Chr. in China stattgefundene Inkarnation Luzifers findet ausgedehnte Behandlung. Der gelbe Kaiser Huang-Ti, ein maßgeblicher Urheber der chinesischen Kultur, in Sagen und Mythen gottähnlich dargestellt, wird als menschlicher Träger Luzifers näher beleuchtet. Entwicklungsgeschichtlich betrachtet, fand zu jener Zeit eine luziferische Verzerrung des reinen Tao-Impulses statt, welcher nach der atlantischen Katastrophe im Zuge der Völkerwanderung gen Osten gelangte.

Im Westen hingegen kam es in den mesoamerikanischen Mysterien neben aller Verehrung für den Venusgeist Luzifer – bei den Mayas Kukulkan, bei den Azteken Quetzalcoatl genannt und beide als gefiederte Schlange dargestellt – zu einer ahrimanischen Verzerrung der ursprünglichen Mysterien. Powells Ausführungen zu diesem mehr inneren Aspekt der Maya-Kultur sind tiefreichend und beachtenswert und kompensieren vor allem für vorbereitete Leser den oben angesprochenen Mangel in gewissem Sinne.

Nun ist der zentrale Punkt des Buches jedoch die Datierung der Ahriman-Inkarnation in unsere gegenwärtige Zeit hinein.  Hierfür werden weitere astrologisch-relevante Ereignisse ins Auge gefasst und finden ihre Untermauerung durch verschiedene Quellen. So erlebte die amerikanische Seherin Jeane Dixon im Februar 1962, einige Stunden nachdem sich eine Sonnenfinsternis von Indonesien bis über den östlichen Pazifik ereignete, die Verkörperung des menschlichen Trägers für Ahriman. Dies geschah während einer äußerst seltenen Aufreihung von allen sieben „klassischen“ Planeten unseres Sonnensystems. Ähnlich wie bei Luzifers Inkarnation der lang vorbereitete menschliche Träger im etwa  40. Lebensjahre Luzifer aufnahm, so wird es hinsichtlich Ahrimans Verkörperung erwartet; deren Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und stehen im Lichte eines eingangs erwähnten „Zeitfensters“ (1980-2016), in welchem unsere Sonne während der Wintersonnenwende in besonderer Ausrichtung zum galaktischen Äquator, der Mittellinie unserer Milchstraße, steht.  Ferner ereignete sich die (in Europa nicht sichtbare) längste Sonnenfinsternis unseres begonnenen Jahrhunderts am  22. Juli 2009. Dabei hatte der fernliegende Planet Pluto eine Position im Tierkreis, die er ebenso auch beim Ereignis der Taufe Christi hatte – bei der langem Umlaufzeit Plutos eine äußerst seltene Konstellation.

Dazu führt Powell aus, wie es dem Wesen des Bösen zu Eigen ist, mangels eigener schöpferischer Kreativität das Gute immer wieder in unzeitgemäßer und entfremdeter Form imitieren zu müssen. So haben wir beispielsweise im Phänomen der Globalisierung das pervertierte Bild einer durchaus berechtigten Idee, wie sie vor allem in der kommenden Kulturepoche Fuß fassen muss – jedoch aus einem spirituellem Bewusstsein heraus unter vollkommen anderer Gewichtung. Dieses widersacherliche Vorgehen des „Nachäffens“ zeigt sich inzwischen in vielen, wenn nicht gar allen Lebensbereichen.

Der Evangelist Johannes ließ seine Schauungen der künftigen Menschheitsentwicklung niederschreiben; Rudolf Steiner wies auf den im 12. Kapitel der Offenbarung des Johannes beschriebenen Streit Michaels mit dem Drachen hin als ein Ereignis, welches tatsächlich als Kampf in Geisteswelten in der Zeit von 1841-1879 n. Chr. stattgefunden hat. Die folgenden Bilder des 13. Kapitels sind laut Powell eng mit unserer Zeit verbunden. Bei Johannes´ Schilderungen ist von einer 3 ½ -jährigen Herrschaftszeit des Widersachers – analog der Wirkenszeit Christi – die Rede,  vorbereitet durch eine weitere Person, biblisch genannt den „falschen Propheten“, welcher mit großer Macht ausgestattet verführend an die Menschheit herantreten wird, um dem Handeln Ahrimans den Boden zu bereiten.  Die gegenwärtige äußere Weltentwicklung unterstreicht die Dichte der astrologischen bzw. astronomischen Situation. Es lassen sich viele Indizien finden, die einen „passenden“ Zeitpunkt für die Inkarnation Ahrimans baldig erwarten lassen.  Durch die Zeit anhaltender Kriege, dem Ereignis des 11. Septembers 2001, geschürten Ängsten vor terroristischer Bedrohung und zunehmenden Spannungen zwischen Ost und West scheint ein Höhepunkt nahe zu sein, an welchem die Menschheit möglicherweise geblendet einem neuen politischen oder religiösem „Führer“ in die Arme laufen könnte – welcher natürlich geistreich auftreten und u.a. den Weltfrieden beschwören würde. Des russischen Philosophen Wladimir Solowjows „Kurze  Erzählung vom Antichrist“ bezeugt die Qualitäten und Vorgehensweisen, mit denen ein solch vermeintlicher Führer der Menschheit ins Feld ziehen würde.

 Powell verliert in der Folge seiner Ausführungen jedoch nicht den Blick auf die Aufgabenstellungen der Menschheit, welche mit dem Auftreten Ahrimans auf der Weltbühne verbunden sind. Auch rückt er die Bedeutung dieses Geschehens deutlich zurecht, indem er es als „Schattenereignis“ darstellt, welches es gegenüber dem „größten Ereignisses unseres Zeitalters“(2) ist: das Auftreten des Christus in der ätherischen Welt (- dessen erste Ankündigung durch Rudolf Steiner seitens Powell bis ins Jahr 1909 zurück nachgewiesen wird und nicht erst 1910, wie üblich angenommen!).

So geht Powell auf das Wiederkunftsereignis Christi näher ein und beleuchtet die Fähigkeit des Menschen, Christus zu erkennen mit einem Bogen durch ein weiteres Thema, welches hierfür in Betracht kommt: es handelt sich um die Wesenheit der Sophia als kosmisches Wesen, wie sie sich dem Menschen künftig zu öffnen versucht und hervorragende Persönlichkeiten auch bereits davon berichten konnten. So wird der Blick zur bestehenden Tradition der Sophiologie gelenkt, jedoch die Orientierung weiterhin in Richtung Künftigem haltend. Dazu wird vor allem das Werk des während der Zeit Stalins verfolgten russischen Sehers und Dichters Daniil Andrejew (1906-1959) ausgiebig betrachtet, dessen prophetische Schauungen einer kommenden Kulturepoche (der russisch-slawischen Kultur gemäß der Terminologie Steiners) ebenfalls das Vorspiel  einer ahrimanischen Bedrohung zeigen: „Nach der Inkarnation des planetarischen Logos [Christus], wurde die Menschheit das entscheidende Kampffeld, und es bildete sich eine Idee in der dämonischen Vorstellung – langsam, nötigenfalls – eine menschliche Marionette zu schaffen, die in der Lage wäre, absolute Tyrannei auszuführen und die Bevölkerung der Erde in eine Satansmenschheit zu verwandeln. Aber wiederum machte sich der dämonische Mangel an Kreativität bemerkbar. Unfähig, mit etwas Originellem anzukommen, war alles, was die dämonischen Kräfte tun konnten, Zuflucht beim Gesetz des Widerstandes zu suchen, eine Blaupause zu ersinnen, um ein verzerrtes Spiegelbild … zu schaffen.(3)

Powells Buchpublikation hat in den USA für reichlich Gesprächsstoff gesorgt und teils vehemente Kritik geerntet. Gerade der Punkt zeitlicher Determinierung der Inkarnation Ahrimans sorgt für Kontroversen; die angeführte Argumentationslinie geht dahin, dass der Blick in eine verkehrte Richtung gelenkt wird: Es würde damit eher eine verschwörerische passiv-apokalyptische Erwartungshaltung  befördert, als dass wirklich Einsichten vermittelt werden, die eine Denkschulung anregen, welche wiederum den nötigen Grad der Wachheit bedient, um einem solchen Ereignis – wenn es dann tatsächlich stattfindet – zu begegnen.

So sehr der Verfasser dieser Rezension diese Aussage bzw. die potentielle Gefahr einer solchen Haltung unterstreicht, ist allerdings auch der deutliche Eindruck da, dass aus dem Powell´schen Buche gerade das vermeintlich „Reißerische“ - die Fixierung des Datums - gern herausgenommen wird, dem „Rest“ hingegen, welcher durchaus wertvolle Einsichten vermitteln kann, keine Aufmerksamkeit mehr gewidmet wird. Es entstehen bekanntermaßen oft Zerrbilder, wenn Äußerungen aus ihrem Kontext herausgenommen werden. Dabei betont Powell noch einmal im Nachwort: „Aber in Hinsicht auf das Bestehen der Freiheit können, wie bereits oben erwähnt, die prophetischen Angaben nur Andeutungen sein und keine Gewissheiten – und dies muss man bei jeder Diskussion über den Inhalt dieses Buches im Bewusstsein halten.“(4)

Die herausgearbeiteten astrologischen Beziehungen des Christus-Lebens zu unserer heutigen Zeit sind in jedem Fall so bemerkenswert, dass sie – bereits rein als Bild genommen – sehr anregend zum Verständnis unserer Zeitlage beitragen können; Powells sophiologische Betrachtungen verdienen ebenfalls besondere Aufmerksamkeit. Manche Forschungsergebnisse sind jedoch sehr knapp angedeutet unter dem Verweis auf weitere bereits veröffentlichte Werke Robert Powells; dies wird dem nicht mit seinen Schriften vertrautem Leser eventuell negativ aufstoßen – oder zur weiteren Lektüre anregen, was dem Buch durchaus zu wünschen wäre.

Benjamin Schmitdt, Wolfhagen

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pfeil In diesem Buch von Robert Powell wird man durch genaue Darstellungen von Zeitenzyklen, Sternenkonstellationen, Prophezeihungen der Bibel und Hinweisen Rudolf Steiners durch die gesammte Menschheitsentwickelung knapp geführt, um fundiert zum Verständnis des "Zeitfensters" in dem wir leben zu kommen. Das alles ist Hintergrund für das Verständnis, dass der Antichrist sich bemerkbar macht , welcher als Schatten des Christus im Ätherischen auftaucht. Um an diesen Geschehen nicht vorbei zu träumen ist dieses Buch sehr zu empfehlen.

Gudrun D. Gundersen, Owingen

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REZENSIONEN zu: ERWIN SCHMIEDEL: Parzivals zweite Chance
Parzivals zweite Chance

Erwin ist das lebende Beispiel für einen modernen Ritter. Ich bewundere seine Zivilcourage! Die Biografie vermittelt Mut, wie man aus schmerzhaften Schicksalschlägen und Ungerechtigkeiten wieder aufsteht und weiter kämpft. Wie Erwin seinen Weg zum professionellen Sänger findet, zeigt auf, dass jeder seine Bestimmung in sich trägt. Sein Schreibstil ist klar und direkt.

Wann kommt der Film?

Hansjörg Leimer, 22. März 2010

pfeilhoch

 

Erwin Schmiedel gibt einen authentischen Einblick in die Lebenswelt der Arbeiterklasse Wiens im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts. Er zeigt, wie die Groß­elterngeneration, geschockt und geschunden durch den zweiten Weltkrieg, zum Halt der Jugend werden muss, da die Eltern gezwungen sind, ihren Lebensunterhalt mehr schlecht als recht in der durch normative Zwänge beengten Gesellschaft zu verdienen. Wie viele außerordentliche Begabungen dadurch beeinträchtigt oder verloren gehen, kann nur geahnt werden.

Dass durch diese gesellschaftliche Situation die Welt des Kindes zerstört und durch den Existenzkampf der Eltern geprägt wird, ist leicht einsehbar. Kommen dazu Alkohol und Drogen ins Spiel, ist das ‚Ablaufdatum’ an den Betroffenen ablesbar.

In dieser Atmosphäre bildet sich das sensible Seelenleben hinter den Gefechtsgräben des Überlebenskampfes, der selbst gegen den leiblichen Vater geführt werden muss, heraus. Da lebt etwas auf, was den ursprünglichen Bedürfnissen der menschlichen Seele gerecht werden will. Das Bedürfnis nach Heimat, nach Wärme und nach Liebe.

Das Buch zeigt die oft verzweifelten Wege eines jungen Menschen, dem es durch viele verworrene Jahre seines Lebens gelingt, den Weg zu diesen Qualitäten zu finden. Indem er sie in sich selber findet, wird die Kraft wach, diese auch der Welt zu schenken.

Ein erschütternder Weg, der den Leser betroffen macht.

In seinem Erstlingswerk schildert Erwin Schmiedel in der schlichten, oftmals herben Sprache des Arbeiterkindes diesen Weg. Sein Erzählstil lässt die Bilder eines außergewöhnlichen Lebens realistisch an einem vorüberziehen. Manchmal scheint sich Erwin Schmiedel in einer Gegebenheit zu verlieren, wobei dann der Leser bald merkt, dass er sich nur scheinbar auf einem Nebengeleise befand, denn Nebenwege werden zu Impulsen für den roten Faden, der sich durch das Leben zieht und immer wieder verblüffende Wendungen und Kehren zeigt, die das Leben trotz allem lebenswert machen.

Für Menschen, die das Leben lieben, ist diese autobiografische Erzählung ebenso wertvoll, wie für Menschen, die keinen Ausweg mehr sehen können … und den Glauben an das Leben zu verlieren drohen.

Das Buch zeigt, dass uns das Leben, trotz Ungerechtigkeit, Tragik und Drangsal in Bezug auf das Schicksal freundlich gestimmt ist.

4. Juli 2009
sb/tz

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REZENSIONEN zu: LUTZ KREUTZER: Gott würfelt doch
Gott würfelt doch

Welcher Verlag sucht nicht danach: Deutsche Autoren, die packend erzählen können, ohne mit dem erhobenen moralischen Zeigefinger daher zu kommen? Zu dieser seltenen Spezies des gehobenen Unterhaltungs-Genres gehört Lutz Kreutzer.

"Gott würfelt doch" ist anspruchsvolle Unterhaltungsliteratur im besten Wortsinn und lässt sich inhaltlich am ehesten als deutsch-deutscher Thriller umschreiben. Wobei dieses Schubladendenken dem Buch nicht wirklich gerecht wird, dafür ist das Werk schlichtweg zu komplex angelegt. Die spannende und gleichzeitig kurzweilige Geschichte beschreibt das abenteuerliche Leben des Protagonisten Walter Landes, der als Mörder lebenslänglich verurteilt wird, und erst frei kommt, als klar wird, dass er gar nicht der ist, für den ihn das Gericht hielt ...

Werke dieser Art gehören nach wie vor zu den Buchthemen, die ein breites Lese-Publikum ansprechen. Vor allem, wenn das Manuskript derart detailgenau und akribisch erarbeitet wurde wie "Gott würfelt doch". Historische Wahrheit und Fiktion gehen eine höchst spannende Ehe ein, wobei es dem Autor gelingt, sein großes Faktenwissen ausgesprochen unaufdringlich in den Fluss der Geschichte einzubetten.

Zum Inhalt:

"Gott würfelt doch" setzt ein mit einem Prolog, den Walter Landes kurz nach seiner Verurteilung im Gefängnis schreibt. Sie haben mich verurteilt, weil ich, Walter Landes, am 16. Juli 1988, siebenundzwanzigjährig, angeblich mich, Walter Landes, heimtückisch getötet habe. Wie konnte es zu diesem abstrusen Fehlurteil kommen? Ein Blick zurück gibt Aufschluss. Landes Vater, ein angesehener Bio-Mediziner, und seine Mutter haben einen Unfall in der DDR. Die Mutter verletzt sich dabei so schwer, dass sie ihre Zwillinge in der DDR entbinden muss. Dabei stirbt Walters Zwillingsschwester - angeblich. Walter wird von einem Arzt namens Dr. Böhler auf die Welt gebracht.

Die folgenden Jahre sind wenig spektakulär. Walter beginnt Biologie zu studieren, sein Vater steigt zu einer Kapazität auf dem Gebiet der Genforschung auf. 1985 beendet Walter sein Studium und beginnt als Hochschulassistent in Köln. Der Weg einer erfolgreichen Wissenschaftlerkarriere scheint vorgezeichnet. Abgerundet wird das großbürgerliche Glück, als Anna in Walters Leben tritt. Ihr Lachen erzeugte in mir eine Wärme, wie sie bis dahin niemand in mir geweckt hatte. Ich hatte andere Frauen sehr gerne gemocht, aber so wie Anna hatte mich noch keine im Herzen berührt.

Es folgt eine Irrfahrt durch ein schier unglaubliches Leben. Alles, was einst den Menschen Walter Landes ausgemacht hat, gilt nicht mehr, Wahrheiten entpuppen sich als Lügen, Sicherheiten als Trugschluss, und sogar Tote stehen wieder auf. Es beginnt mit einer Tour, die Anna nach Madeira macht. 14 Tage will sie auf die Insel, sie reist allein - und verschwindet spurlos. Gefunden werden nur ihre Sachen, oberhalb einer Klippe. Die Polizei und auch Walter gehen von einem Gewaltverbrechen aus.

Walter Landes, der inzwischen in Aachen lebt, sucht im Dom nach Trost für den vermeintlichen Verlust. Doch statt Ruhe zu finden, nimmt der Reigen aus surreal anmutenden Verwirrspielen zusätzlich Fahrt auf. Ich blickte in die hohe Kuppel hinauf, dorthin, wo der Leuchter des Barbarossa befestigt ist. Und als mein Blick hinab schweifte zu dem großen Arkadenrundgang, da sah ich ihn. Ich war wie erstarrt! Dort oben auf der Empore, halb hinter einer der schwarzen Säulen verborgen, stand ich!

Der Doppelgänger entpuppt sich als Konrad Landes, Walters leibhaftiger Zwillingsbruder. Die Geschichte, die Konrad erzählt, ist aberwitzig. Walter habe niemals eine Zwillingsschwester gehabt. Das tote Mädchen, das seinen Eltern gezeigt wurde, sei eine Fremde gewesen. Ihn, Konrad, habe man in der DDR erzogen - als Kopie Walters. Nun sei er in die Bundesrepublik gekommen, um Walter zu ermorden und seine Position einzunehmen. Auf diese Weise wolle die Stasi an die geheimen Forschungsergebnisse seines Vaters heran kommen.

Wenn du es nicht begreifen willst: Ich bin auf dich trainiert. Man hat es mir so beigebracht, bis hin zur Sprache. Wegen deiner Existenz hat man mich mein Leben lang eingesperrt in einem Zimmer, das dem deinen glich wie ein Ei dem anderen ... Auch Annas vermeintlicher Tod geht auf das Konto der Staatssicherheit. Sie haben Anna verschwinden lassen, um dich vollkommen aus der Bahn zu werfen.

Doch die List der Stasi geht nicht auf. Statt Walter zu ermorden, weiht ihn Konrad in die perfiden Planspiele ein. Gemeinsam reisen sie zu Dimitrios, einem Ex-Spion der DDR, der Konrads Lehrmeister war. Sie erfahren, dass ihre Mutter eine Jüdin und ein Mengele-Zwilling war, der seine Schwester bei bestialischen Experimenten des berüchtigten Nazi-Arztes in Auschwitz verlor. Als sogenannter "Vergleichzwilling" überlebte ihre Mutter. Doch damit nicht genug. Ihr Vater hatte den gleichen Lehrer wie Mengele, und die Stasi vermutet, dass er weiß, wo die verloren gegangenen Geheimunterlagen des KZ-Arztes versteckt sind. Deren Wert ist für die DDR-Oberen ausgesprochen groß.

Kurz darauf wird Konrad von der Stasi ermordet. Er hat den Platz freiwillig mit Walter getauscht. Konrad spielte mich, ja er spielte mich. Es war die Rolle seines Lebens, die er aufführte, und endlich konnte er mir beweisen, dass er gut darin war!

Die Stasi-Unterlagen, die nach dem Mauerfall entdeckt werden, offenbaren die menschenverachtenden Pläne, Walter Landes durch seinen Zwillingsbruder Konrad auszutauschen. Walter kommt vor Gericht. Die Anklage lautete auf vorsätzlichen Mord. Der Staatsanwalt wies auf die besondere Heimtücke hin, auf den Umstand, dass die gesamte Aktion von langer Hand eingefädelt worden sei.

Schnell wird klar: Die Stasi hat ganze Arbeit geleistet. Nichts scheint Walter und Konrad Landes voneinander zu unterscheiden. Den Richtern bleibt kaum eine andere Wahl, als Walter Landes lebenslang ins Gefängnis zu schicken. In seiner Haftzeit lernt er die Psychologin Martina Semmler kennen, die seine Aufzeichnungen liest, und die an seiner Schuld zweifelt. Über sie kommt er der vermeintlich toten Anna auf die Spur, die von der Stasi nicht ermordet, sondern "nur" nach Kuba entführt wurde. Auf Grund Annas Aussage kommt Walter frei - doch das erhoffte ruhige Leben an der Seite Annas bleibt ein Traum.

Walter beginnt eine Odyssee. Die Suche führt Walter und Anna in den Vatikan, in Mengeles Heimatstadt Günzburg und nach Brasilien, in eine Fluchtburg der Nazis. Dort kommt es zum Showdown - und Walter muss erkennen, dass es in seinem Leben keine Wahrheiten zu geben scheint. Selbst ihm ist eine Rolle zugedacht in diesem großen Spiel, das andere inszeniert haben ...

Fazit:

"Gott würfelt doch" ist anspruchsvolle Unterhaltungsliteratur und wird aus der Ich-Perspektive heraus erzählt. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und im wahrsten Sinn des Wortes "lebendig". Die Sprache ist schwungvoll und flott. Nie gleitet sie ins Umgangssprachliche oder gar ins Triviale ab. Vor allem aber: Die Geschichte fesselt ihre Leser und erzeugt eine ausgesprochen dichte Atmosphäre.

Ohne Frage ist "Gott würfelt doch" mehr als bloße Unterhaltungsliteratur. Dem Autor geht es auch darum, die moralischen Grenzen einer scheinbar grenzenlosen Wissenschaft aufzuzeigen. Nebenbei gewährt er Einblicke in die Denkschemata totalitärer Regime, ohne jedoch dabei der Handlung ihren Lauf zu nehmen.

Das Buch im Netz: www.gottwuerfeltdoch.de

Buchrezension von Carsten Wittmaack, ScriptTeam Medienagentur, Hamburg

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Mit diesem Buch gelingt es dem Autor die gleich zu Beginn erzeugte Spannung durchgehend aufrecht zu erhalten. Mit klarer Sprache beschreibt er die verschiedenen, hervorragend recherchierten Schauplätze und die Charaktere der unterschiedlichen Personen. Ein Schmöker, der mich nicht mehr losgelassen und immer wieder sehr stark emotional berührt hat.
Ein hervorragendes Werk in sehr schöner Aufmachung.

Rezension von "Cornelius" - amazon.de

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pfeil Lutz Kreutzer gelingt mit -Gott würfelt doch- ein unglaublich spannendes Werk. Mit klarer Sprache, absolut genauen Recherchen über die historischen Abläufe und deren Schauplätze, sowie das Zusammmenspiel unterschiedlichster Charaktere erzählt der Autor eine Geschichte, die ich jedem Leser ans Herz legen möchte. Das tragische Schicksal des Protagonisten hat mich emotional total gepackt und so neugierig gemacht, dass ich nicht mehr aufhören konnte zu lesen.

Daphne - libri.de

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Gleich auf den ersten Seiten zieht Kreutzer uns in eine Story, die bis zum Schluss fesselt. "Gott würfelt doch" ist in einer klaren und schönen Sprache geschrieben, das Thema spannend, die Charaktere glaubhaft mit ihren Ecken und Kanten. Der Plot bietet überraschende Wendungen und eine Auflösung, die schon fast ins Surreale spielt.

Die wissenschaftlichen und historischen Hintergründe sind im Detail recherchiert. Die Zwillingsforschung hat im Dritten Reich eine zweifelhafte Rolle bekommen beim Versuch, eine arische Herrenrasse zu erschaffen. Mengeles bestialischen Versuche in Auschwitz haben stattgefunden. Seine Aufzeichnungen wurden jedoch nie gefunden. Der Ort Rolandia in Brasilien und die Fluchtburg Eldorado existieren. Mengele soll dort gewesen sein. Die Geschichte und ihre Charaktere haben also einen realen Hintergrund und sind an existierende Figuren angelehnt. Kreutzers Phantasie hat also eine Geschichte geboren, die nicht völlig unrealistisch ist.

Ich habe den Roman an zwei Tagen verschlungen. Mein Fazit: Ein gut lesbares, unterhaltsames und intelligentes Buch, bei dem man nebenbei auch noch etwas lernt...

P. Hansing, 13. August 2009 - amazon.de

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Gott würfelt doch" ist ein durch und durch spannendes, packendes und unterhaltsames Buch, das man - einmal aufgeschlagen - nicht mehr aus der Hand geben möchte.
Die Verbindung aus Fakten und Fiktion gelingt Lutz Kreutzer so gut, dass man am Ende der ganzen Geschichte Glauben schenken mag. Historie und Gegenwart werden gepaart und um eine reizvolle Geschichte rund um die Hauptfigur Walter Landes gesponnen.
Sprachlich ist Kreutzers Roman ausgefeilt und trotzdem wunderbar einfach zu lesen.
Ein sehr empfehlenswertes Buch!

Anne Hansen, 3. September 2009 - amazon.de

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Gott würfelt doch" ist ein meisterhaft recherchierter und geschriebener Roman um ein dunkles Kapitel der Nazi-Zeit. Man wird als Leser bald hineingezogen in die Geschichte des Walter Landes und seines vermeintlichen Doppelgängers. Kaum glaubt man, den Plot begriffen zu haben, gibt es wieder einen neuen Erzählstrang. Begeistert haben mich auch die geografischen Details der handelnden Plätze und Sehenswürdigkeiten. Man bekommt Lust die Reise des Walter Landes nachzumachen. Ein rundum gelungenes Buch - ich freue mich schon auf mehr von diesem Autor.

Andrea Resch, 13. Oktober 2009 - amazon.de


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REZENSIONEN zu:

FRITZ FREY: Europa zwischen Ost und West

Europa zwischen Ost und West Die Entwicklung des Individuums und seine Emanzipation aus dem Kollektiv stellen die Hauptherausforderung der modernen Zeit dar. Wie kann ein staatlich-nationales Gebilde dieser Entwicklung gerecht werden? Wie können die Nationen den Nationalismus überwinden, ohne ihre Identität zu verlieren und sich dennoch in ein supranationales Gebilde einfügen? Das sind die künftigen Herausforderungen, die an Europa gestellt werden. Wege dazu sind im Buch 'Europa zwischen Ost und West. Individualität und Egoismus im alten und im neuen Europa.' (Autor: Fritz Frey) spannend entwickelt. Die Zukunft Europas kann nur eine Gemeinschaft sein, die aus der Freiheit der Nationen und der Individuen gewollt ist.

Europa kann nur verstanden werden, wenn seine Entwicklung unter den Gesichtspunkten der Emanzipation des Menschen und der Völker als Nationalitäten betrachtet wird. Das Buch 'Europa zwischen Ost und West. Individualität und Egoismus im alten und im neuen Europa.' zeigt, wie der Egoismus als Durchgangspunkt zur freien Individualität, die aus eigenen Intensionen, eben frei, den Weg zur Gemeinschaft sucht, absolut notwendig ist. Er kann erst durch den freien Willen zur Gemeinschaftsbildung überwunden werden.

Ebenso verhält es sich mit dem Nationalismus der Völker Europas. Der Nationalismus als notwendige Erscheinung des 19. Jahrhunderts muss von der Nation aus freiem Willen zu einer europäischen Gemeinschaft überwunden werden, wenn es nicht zu Katastrophen wie jenen von 1914 - 1945 oder im Balkan kommen soll. Dies beinhaltet aber nicht die Auflösung der Nationen oder der Nationalitäten. Im Gegenteil: Erst durch die Vielfalt der Kulturen in Europa, die sich in den Nationalitäten, eben nicht in den Nationalismen, widerspiegelt, kann sich die wahre Kraft Europas entwickeln. Wie das Individuum nur durch die Überwindung des Egoismus eine wirkliche Individualität werden kann, so kann die Nation nur durch Überwindung des Nationalismus zu einer Nationalität werden, die aus der Freiheit der kulturellen Entwicklung eines Volkes heraus, den Beitrag aus seiner Eigenart zu einer Gemeinschaft der Völker Europas leisten will. Durch eine solche Entwicklung kann sich eine blühende Ökonomie, die auf freier Solidarität gründet, entwickeln. Einer Solidarität, die aus Freiheit gewollt und kein erzwungener Funktionärs-Sozialismus ist.

Europa als Union der Völker (Wir sind das Volk!), die sich aus freiem Willen (nicht aufgrund von Absprachen zwischen an Interessen gebundenen Parlamentariern) zu einer föderalistischen Union zusammenschließen, ist das Ziel. Ein zentralistisches Europa der Funktionäre, entspricht nicht dem Charakter Europas. Ein solches Europa hat keine Zukunft und kann nur ins Chaos führen, das von einem strengen, zentralistischen Überwachungsstaat geordnet werden muss. Ein föderalistisches Europa, im freien Zusammenwirken der Nationen, das unabhängig von jeglicher Hegemonialmacht seinen autonomen Weg findet, kann dieses Chaos verhindern. Das Buch zeigt Wege auf, die dem wahren Wesen Europas entsprechen und verhindern, dass Zustände, wie sie vor dem 2. Weltkrieg und später im Balkan herrschten und z.T. noch herrschen, erneutes Unglück über Europa bringen.
Ein lesenswertes Buch mit wirklich neuen Ideen, die in die Zukunft führen.

SB/tz

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pfeil Europa ist im Gespräch- und das nicht erst seit Donald Rumsfeld 2003 mit seinen Aussagen zum alten Europa die Staatengemeinschaft in Unterstützer und Gegner des Irakkrieges zu spalten suchte. An diesem Punkt setzt Fritz Frey in seinem Buch 'Europa zwischen Ost und West' (BoD Norderstedt) an. Kritisch hinterfragt er, was das 'alte Europa' sein soll, was es heute im Zuge der Globalisierung und hegemonialer Bestrebungen der Weltmacht USA darstellt und welche Rolle es in der - geeinten - Zukunft spielt! Im Mittelpunkt seiner innovativen Analyse stehen Mensch und kulturelle Vielfalt: Werden Individuen und historische Völkergemeinschaften tatsächlich im Prozess des Zusammenwachsens respektiert; was sind Grundlagen eines gesunden sozialen Zusammenlebens und unter welchen Bedingungen kann innerstaatliches, wirtschaftliches Wohlergehen bestehen? Mit diesen hoch spannenden Ausführungen wird nicht nur die aktuelle Brüsseler Politik durchleuchtet, auch Freude am Europagedanken wird wach!

Wer in die Zukunft denken will, muss erst die Vergangenheit verstehen. Mit diesem Ansatz macht sich der Autor auf eine faszinierende Reise durch die letzten Jahrhunderte bis zum Beginn Europas- so werden modernes (und postmodernes) Bewusstsein in Bezug auf Egoismus und Individualismus sowie Nationalismus und Nationalität erst richtig verständlich! Kompetent durchforscht Fritz Frey hegemonial agierende Reiche wie das römische oder napoleonische auf ihre Kernaspekte und veranschaulicht Zusammenhänge der Staatenentwicklung in Bezug auf Ökonomie und Kultur. Wie entsteht letztere und wie wirkt sie auf die politische Klasse? Unter Einbezug soziologischer und anthropologischer Erkenntnisse werden gesellschaftliche Evolution und individuelle Emanzipation anhand des alten theokratischen Griechenlands und des kaiserlichen Roms dargestellt. Wie wirken Zerfall des Römischen Reiches, Bildung der Nationalstaaten, Weltkriege und EU-Aufbau auf die Menschen? Hier wird ein hoch interessanter Bogen gespannt von der Antike bis heute, der keine Fragen offen lässt! Oder doch? Dann sollten Sie weiterlesen, denn auch die gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Strukturen sowie ihre Wirkungen auf das menschliche Wohlergehen werden detailreich und mit grossem Engagement für wahre Individualität versus einsam machenden Egoismus geschildert.

Hanns-Martin Wietek

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REZENSIONEN zu:

FRITZ FREY: Die Informationslücke

Die Informationslücke Auf anspruchsvolle, aber nicht überhebliche Weise wird eine subtile Kritik an der subjektivistischen Denkweise des 20. Jahrhunderts geschrieben. Diese untersucht die Anfänge des Strukturalismus in der Sprachphilosophie und ihr sich entwickelnder Einfluss bis zum intersubjektiven Relativismus, der in den 60er Jahren seinen Ausgang nimmt und in den Konstruktivismus mündet, der heute das Denken an den Universitäten bestimmt und von da unreflektiert in den Alltag fliesst. Der doch zur Phrase degradierte Ausspruch Es ist halt alles subjektiv. wird gründlich zu Ende gedacht und der Autor kommt zu erstaunlichen Ergebnissen, welche die Gedanken der Dekonstruktion bei den späten Foucault, Deleuze, Guattari und vor allem bei Derrida, ohne diese allerdings explizit zu erwähnen, in einer bestechenden Klarheit zu Ende führen. Die Welt ist nur dasjenige, was wir in sie hineindenken, die Wirklichkeit können wir niemals erkennen, so lautet der Ansatz des Konstruktivismus, der seinen Ausgangspunkt bei Kant hat. Dass diese doch recht dogmatische Anschauung nicht für alle Zeiten Bestand haben kann, wurde von den erwähnten Poststrukturalisten klar dargelegt. Nicht das Konstruierte, nicht das Gesagte führt uns zur Wirklichkeit, sondern die Differenz dazu, also das Nicht-Gesagte und das Nicht-Konstruierte. Wie aber lässt sich dies in einer geführten Bewusstseinsklarheit erfahren? Darauf fanden die Poststrukturalisten keine Antwort. Jacques Derrida kam kurz vor seinem Tode zu der Erfahrung, dass sich diese Wirklichkeit auf ekstatische Weise erleben lassen muss. Die bittere Konsequenz davon aber ist die, dass dann der Ich-Verlust eintritt und wir in die geistige Umnachtung versinken.
Die Informationslücke zeigt in durchsichtiger, wissenschaftlicher Abhandlung, die für jeden Menschen nachvollziehbar ist, dass die Dekonstruktion möglich wird, wenn sich der Denker auf die Erfahrung seines eigenen Denkens bezieht. Diese Willensanstrengung lohnt sich. Im Nachvollziehen des im Buche Dargestellten, wird man auf die Doppelerfahrung seines Ich aufmerksam. Der Autor hat in den Text Übungen eingeflochten, durch welche es gelingt zur Erfahrung folgenden Erlebens zu gelangen: Ich lese und ich schaue mir beim Lesen zu. Im Extrem kann dieses Erleben sich steigern zu: Ich denke und ich schaue mir beim Denken zu. Diese bewusste Erfahrung eines Doppel-Ich, die keinesfalls einen mystifizierenden Charakter trägt, führt den Leser und den denkenden Menschen zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu einem Bewusstseinsdurchbruch. Durch diesen gelingt es ihm, die Hoffnungslosigkeit eines Niklas Luhmann, der in seinen Vorlesungen zum systemischen Konstruktivismus immer wieder mit Kafka zu sagen pflegte: Es gibt viel Hoffnung, aber nicht für uns! zu überwinden. Durch diese Überwindung wird eine Grundlage dafür geschaffen, dass in der Such(t)tendenz der Fun-und Lifestyle Gesellschaft, die nur allzu oft in Depression und Verzweiflung mündet, ein Weg zur Selbstgestaltung aus den Lebensrealitäten heraus finden kann. Diese Grundlage zeigt das Buch Die Informationslücke im Erlebnis der Form- und Gestaltkraft des individuellen Denkwillens durch den das Allgemeine der Wirklichkeit der Idee in der Welt erkannt werden kann. Daraus fliessen die Impulse für das Erleben einer subjekt-allgemeinen Wirklichkeit.
Nach der Lektüre dieses Buches steht man gestärkt vor den Aufgaben des praktischen Alltags und erkennt, dass man doch nicht so ohnmächtig im Subjektivismus gefangen ist, wie einem das über Jahrzehnte eingeredet wurde.

Petra

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Das Buch 'Die Informationsücke. Ist die Selbstbestimmung des Menschen eine Illusion?' durchkämmt auf undogmatische und unorthodoxe Weise die Lehrmeinungen, welche das 20. Jahrhundert geprägt haben und weist unerbittlich auf die Schwachstellen der Theorien hin. Schwachstellen, die Mensch und Welt zu reinen Konstrukten erklären, von deren Wirklichkeit nichts gewusst werden kann. Das Buch führt real vor Augen, wohin eine Haltung führt, die von diesen Theorien ausgeht. Der Verlust des Wirklichkeits- und Wahrheitsgefühls muss zwingend in die Unfreiheit durch normative Konventionen führen, welche uns von aussen bestimmen. Der Durchbruch zur Ebene der realen Wirklichkeit geschieht in einer gründlichen Analyse der unser Bewusstsein prägenden Theorien, die in der Gen- und in der Gehirnforschung Furore machen. Im Durchdenken dieser Analyse erhält der Leser die Möglichkeit, auf die selbstgestaltende Kraft seines autonomen Denkens aufmerksam zu werden. Welche Konsequenzen dies nach sich zieht, hat der Autor in seinem zweiten Buch 'Der entscheidende Zeit- Not- wendige Schritt' ausgearbeitet.

Lothar Spiegel

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Dieses Buch stellt eine wichtige Grundlage dar für das Verständnis dessen, was sich in der Überwindung der Kritischen Theorie (Frankfurter Schule um Adorno, Habermas und Marcuse)durch den Poststrukturalismus der späten susan sontag, Foucault, Derrida, Deleuze und Guattari ahnend ankündigt: Der Weg zu einem wirklichen und autonomen Denken. Auf dieser Grundlage lässt sich eine echte und zeitgemässe Gesellschaftskritik aufbauen, die einen Weg aufzeigt, wie in der sich selbst dekonstruierenden Gesellschaft der innere Ruhepunkt der Denkautonomie gefunden und bewahrt werden kann.

Hehost

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Das Buch zeigt auf, wie wir durch unser assoziatives Denken in der reinen Illusion der sich selbst organisierenden Vorstellungen sind und so in einem Vorstellungsbewusstsein von unserem Ich sind, dass von den Gen- und Gehirnforschern systemstheoretisch als Illusion bezeichnet wird. Dass wir aber den Theorien entgegendenken können, ist bedingt durch die Kraft des wirklichen Denkens, das ein Wollen ist und durch das wir die Theorie der sich selber organisierenden Materie aus der unser Ichbewusstsein induktiv entstehe, widerlegen können. Durch das Denken des Gegenteils der Theorie ist beweisbar, dass die Theorie der Selbstorganisation nicht stimmen kann. Wie käme sonst das selbstorganisierte (autopoietische) System dazu sich selber zu widerlegen. So zeigt das Buch auf wissenschaftlich exakte Weise, dass der Mensch über ein eigenständiges und freies Denken verfügt. Eine Erkenntnis gegen die sich heute eine dogmatische Wissenschaft, eine gierige Ökonomie und die tief verunsicherten religiösen Institutionen mit Händen und Füssen wehren.

Hubertus

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Durch unzählige Bücher mit Resultaten aus der Gehirnforschung wird uns langsam immer klarer, dass unser Ich - Bewusstsein nur eine Illusion sein soll. Frey geht diese moderne Lehrmeinung grundlegend an und kommt zum Resultat, dass unserem Bewusstsein zwei Strukturen zu Grunde liegen. Eine Primärstruktur, als Resultat der direkten Aktivität unseres Denkwillens, der als Wirklichkeit im Menschen noch unbewusst oder nur teilbewusst ist und eine Sekundärstruktur, die als Spiegelbild dieser Primärstruktur in unserem Vorstellungsleben als die Illusion besteht, von der die Gehirnforscher reden. Frey zeigt auf, dass es eine Möglichkeit gibt, zu dieser Aktivität der primären Strukturbildung vorzustossen und den Denkwillen als bewusste Welt - und Selbstgestaltungskraft zu erfahren. Reine Empirie. Er nennt diesen Bewusstseinsdruchbruch die Mentalebene III. Dies im Gegensatz zur Mentalebene I unseres Empfindungslebens und der Mentalebene II des Lebens im Alltags - Verstandesbewusstsein, das als Resultat der Interaktion des Subjekts mit der Umwelt vorliegt.
Es wird klar, dass die Gehirnforscher nur auf der Mentalebene II forschen. Sie folgen darin getreu dem dogmatischen Philosophen Kant, der sagt dass die Erkenntnis des Ich an sich sowie des Dinges an sich nicht möglich sei.
Diese alte Lehrmeinung ist jedoch seit Ende des zwanzigsten Jahrhunderts durch die Forschungen der Sprachphilosophen Quine und Davidson überholt. Frey zeigt, dass Steiner schon Ende des 19. Jahrhundert aufgezeigt hat, dass die dogmatische Auffassung Kants die Wissenschaft und die Menschheit in ihrer Entwicklung blockiert. Resultat davon ist der Konstruktivismus.
Was ist jedech, wenn wir uns nur noch als Konstrukte und keine Wirklichkeiten mehr betrachten. Es kommt zur absoluten Rücksichtslosigkeit unter den Menschen. Sind wir denn nicht schon hier angelangt?
Ja, aber es gibt einen Ausweg!
Dieser ist in der Informationslücke angedeutet, müsste aber noch konkreter ausgearbeitet werden.
Ich hoffe auf eine Fortsetzung.

Remo

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Eine sehr hintergründige Betrachtung, welche den postmodernen Relativismus als eine Art von Determinismus betrachtet, der zu einer dogmatischen Naturwissenschaft führt.
Wer dieses anspruchsvolle Buch durcharbeitet, hat grossen Gewinn und kann Zeiterscheinungen verstehen lernen.

Sibylla Breitenstein

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